Schnellender Finger

 

schema tendovaginitisEs ist das die häufigste Krankheit an der Hand und vorausgesetzt man zählt Finger und nicht Menschen, dann ist die Operation des schnellenden Fingers die häufigste Operation am Menschen weltweit.

Die Ursache des schnellenden Fingers ist die Tendovaginitis, die Sehnenscheidenentzündung. Die Beugesehne beispielsweise, gleitet beim Bewegen der Finger in der Sehnenscheide hin und her. Die Sehnenscheide ihrerseits ist mit Bändern am Fingerknochen befestigt. Vielleicht haben die Velokonstrukteure hier abgeschaut, denn die Mechanik ist ähnlich wie der Bremszug am Velo.

Wie am Velo, ist auch hier die Reibung ein Problem. Die Natur hat verschiedene Lösungen bereitgestellt, um ein freies Gleiten der Sehne sicher zu stellen, trotzdem kann es zu einer lokalen Entzündung kommen, gefolgt von Schwellung und Schmerz. Wird die akute Sehnenscheidenentzündung chronisch, blockiert die geschwollene Sehne in ihrer Sehnenscheide, sie läuft nicht mehr glatt, sondern ruckartig und der Finger schnellt.

Die Therapie der chronischen Sehnenscheidenentzündung, des schnellenden Fingers, ist in der Regel chirurgisch. Nicht die geschwollene Sehne wird behandelt, die Operation besteht im längsspalten der Sehnenscheide im umschriebenen Bereich, wodurch die verdickte Sehne wieder frei gleiten kann. Die Natur tut den Rest und nach Ausbleiben der repetitiven Reizung geht auch die Entzündung in wenigen Tagen zurück.

Der kleine Eingriff erfolgt ambulant und in Regionalanästhesie, die Hand ist nach der Operation nur bis zur gesicherten Wundheilung und Fadenentfernung, d.h. etwa zwei Wochen zu schonen. Rezidive sich ausgesprochen selten, das Problem tritt am operierten Finger ein zweites Mal nicht mehr auf.

Der eigentliche Auslöser, also der Grund für die akute Sehnenscheidenentzündung, die den Stein ins Rollen bringt ist nicht bekannt. Eine Überlastung wird immer wieder diskutiert. Allerdings sind die rechte und die linke Hand statistisch nicht bevorzugt und Frauen sind häutiger betroffen als Männer.

Da es am Anfang im akuten Stadium durchaus auch nicht operative, konservative Behandlungsmöglichkeiten gibt, lohnt sich ein rascher Besuch beim Hausarzt. Ein Zuwarten in der Annahme das Problem heile spontan und Kosten könnten so gespart werden ist für einmal nicht sinnvoll und die gute Absicht wird bestraft. Erst durch das Zuwarten wird die anfangs akute Entzündung chronisch und geht in eine mechanische Blokade über, die dann auch mechanisch, sprich chirurgisch behandelt werden muss.     Dr. med. Jiri Huracek